Die Insel der tausend Tempel

Singapur und Bali – weit weg und so schön

Bali – die Insel in Südostasien löst Kopfkino aus. Wie sich herausstellen sollte, völlig zurecht. Bali hat bei meinem 10-tägigen Erkundungsbesuch Ende August 2018 nahezu alles geboten, was der asiatisch-pazifische Raum als Reiseziel hergibt. Jahrhundertalte Kultur, konstant warme Temperaturen, Dschungel, Vulkane, ein warmes Meer mit tollen Tauchspots und liebenswert-hilfsbereite Bewohnern. Vorher jedoch ging es für 48 Stunden inklusiver zweier Übernachtungen zu einem Stop-Over nach Singapur.

Die Insel – ein Stadtstaat am südlichen Ende Malaysias – ist eine atemberaubende Stadt, nicht nur wegen der tropischen und schweißtreibenden Temperaturen. Sie ist eine Mischung aus Tradition und Hypermoderne, aus Vergangenheit zu Zukunft. Singapur, das bedeutet die „Löwenstadt“. So ist eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt die Figur des „Merlion“ vor dem Fullerton Hotel am Ufer der Marina Bay. Dort zieht das wasserspeiende Fabelwesen, bestehend aus Meerjungfrau (mermaid) und einem Löwen (lion), zahlreiche Selfiestick-Touristen an.

Zwischen Tradition und Hypermoderne

Wer die Tradition der Stadt sucht, findet sie in den klassischen Vierteln wie Chinatown, Little India oder Little Arabia. Sie repräsentieren das alte Singapur, das von Einwanderern geprägt und dominiert wurde. Farben, Düfte und Geschmäcker sind hier ebenso zu finden wie eine riesige Auswahl an Waren, Speisen und Getränken. In der einstigen britischen Kronkolonie hat auch das Empire seine Spuren hinterlassen, wie dutzende Gebäude im Kolonialstil – wie das Hotel Raffles oder das Parlament – zeigen. Seit seiner Unabhängigkeit im Jahre 1962 haben sich der Containerhafen und vor allem der Finanzstandort Singapur so rasant entwickelt, dass die Bewohner Singapurs heute zu den wohlhabendsten der Welt gehören. Nirgendwo ist die Millionärsdichte höher.

Zusammen mit hunderttausenden Touristen, die jedes Jahr nach Singapur kommen, geben sie ihr Geld in einer der fast 50 Shoppingmalls aus. Die meisten von Ihnen liegen unterirdisch, schützen vor dem heißen feucht-warmen Klima und sind über Kilometer hinweg unterirdisch miteinander verbunden. Wie in der berühmten Orchard Road, die allein Dutzende Malls beherbergt und abends mit zahllosen Bars und Restaurants Besucher anlockt.

Marina Bay – ein Stadtviertel aus dem Meer gewonnen

Das vermutlich berühmteste Aushängeschild Singapurs ist die Marina Bay mit dem weltbekannten Hotel Marina Bay Sands, einem 55-stöckigem Hotel mit Infinity-Pool auf dem Dach. Ebenfalls im Bereich der Marina Bay liegen der „Singapour Flyer“, das zweitgrößte Riesenrad der Welt sowie die „Gardens by the Bay“, eine künstliche Parklandschaft mit zahlreichen Ruhepunkten im hektischen Leben der Weltstadt. Wer, wie wir im September, in der Stadt ist, bekommt hautnah die Vorbereitungen für das Formel1-Rennen mit, ein Saisonhighlight mit einem spektakulären Nachtrennen durch die Häuserschluchten der Stadt.

Auch am Abend bietet Singapur endlose Möglichkeit, sein Geld für (sehr teuren) Alkohol und/oder erstklassiges Essen auszugeben. Von den „Hawker“-Küchen – sehr günstiges Streetfood mit Top-Niveau – bis hin zur Sterneküche ist alles dabei. Es gäbe noch so viel mehr zu entdecken, aber es waren nur 48 Stunden Singapur.

Weiter über den Äquator – 2,5 Stunden Flugzeit nach Bali

Die Lage südlich des nahen Äquators schafft die stabile Wettersituation, die für ein nahezu gleichbleibend warmes und zugleich mildes Klima sorgt. Die Tagestemperaturen lagen um die 30°C, das Wasser war und ist nur unbedeutend kühler und Abkühlung in der Nacht ist auf Bali im Grunde unbekannt.

Diese klimatischen Bedingungen sind beste Voraussetzungen für den Reisanbau. Die fast immergrünen Reisterrassen sind eine Augenweide, etwa die von Tirtagangga, weitläufig gelegen nahe des Vulkans Gunung Agung. Der Agung als mächtiger und höchster, weithin sichtbarer Berg rumort immer wieder einmal auf, spuckt Asche und zeigt mit Vehemenz, wer auf der Vulkaninsel eigentlich das Sagen hat. Er ist für die Balinesen der heiligste Berg und das Zentrum der Welt. Gleich nebenan liegt das Batur-Plateau. Der dreistündige Aufstieg im Rahmen einer Trekking-Tour begann bereits mitten in der Nacht, belohnt wird man jedoch mit dem spektakulärsten Sonnenaufgang Balis.

Bali ist eine sehr wasserreiche und bergige Insel, entsprechend zahlreich sind die Wasserfälle. Die beeindruckendsten sind auch zum Baden im kristallklaren Wasser geeignet, entsprechend zahlreich sind Touristen aus aller Welt. Der Tourismus ist eine wesentliche Haupteinnahmequelle Balis. Vor allem Australier und wir Europäer prägen das Bild auf der ganzen Insel, auffallend viele junge Menschen. Bali lädt förmlich dazu ein, mobil zu sein und seine Urlaubszeit auf mehrere Orte aufzuteilen. Die Übernachtungen sind günstig (ab 10-15€ pro Nacht) und mit dem Motorroller sind alle Orte gut erreichbar.

Im Westen, nahe der Hauptstadt Denpasar und dem Flughafen, liegt Kuta. Das Party- und Surfer-Paradies ist der bekannteste Ort der Insel, entsprechend zahlreich sind dort Pensionen und Hotels, Bars und Restaurants am weitläufigen Sandstrand. Aber Kuta ist auch ein touristischer, geradezu „westlicher“ Ort und steht im krassen Gegensatz zum Rest der Insel. Im Landesinneren liegt Ubud, ein ziemlich hektisches Zentrum für künstlerisch oder handwerklich ambitionierte Besucher. Wer es ruhiger oder gediegener mag, dem empfehle ich die Ressorts und hochwertige Anlagen, vor allem im Osten und Nordosten Balis.

Eine Unterwasserwelt voller Riesen und Wunder

Für uns Taucher ist Bali ein echter Hotspot und zählt zu den weltweit besten Tauchrevieren. Mit dem Anschluss an eine Tauchgruppe aus dem Ruhrgebiet waren die Ausflüge von lokalen, deutschsprachigen Veranstaltern hervorragend organisiert. Das tropische Wasser bietet einige der spektakulärsten Fische wie ganze Kolonien von Mantas, die riesigen und geheimnisvollen Mondfische („Mola Mola“) oder verschiedene Haiarten.

Bali als Tauch-Hotspot: ein Manta mit einer Spannweite von bis zu 3 Metern

Beeindruckt haben mich die unzähligen Tempel, von denen tausende gibt. Jede Familie hat einen für rituelle tägliche Opfergaben. Jedes Dorf selbst hat mindestens drei große Tempel, erbaut für Brahma (Gott der Schöpfung), Vishnu (Gott der Bewahrung) und Shiwa (Gott der Zerstörung). Beispielhaft genannt sei Pura Besaki, der größte Tempelkomplex der Insel. Spannend und sehr farbefroh sind die zahlreichen Zeremonien, die dort stattfinden. Fast jeden Tag strömen hunderte balinesischer Männer und Frauen in kunstvollen Gewändern und mit Opfergaben auf dem Kopf in das Tempelinnere.

Bali ist eine Vulkaninsel, Weiß ist daher nicht die vorherrschende Farbe des Sandes an den Stränden. Aber wir haben sie gefunden, die kleinen weißen Buchten wie die „Virgin Beach“ im Nordosten oder eben in Kuta an der Westküste.

Von den Lebenskosten ist Bali ein sehr günstiges Ziel, sei es für Übernachtungen, Rollermiete und Benzin oder Essen. Überall fanden wir Bars und Restaurants, die von kleinen Snacks bis zum kompletten Menü günstige Preise verlangen. Am ehesten noch für die ausgezeichnete regionale Küche, aber ebenso vertraute internationale Klassiker.

Abgesehen von der langen An- und Abreise (etwa 12 h Flugzeit ab FRA bis Singapur + 2,5 h bis Bali), hat Bali alle meine Erwartungen erfüllt. Das Leben dort ist unkompliziert und günstig, die Menschen sind zuvorkommend und fröhlich. Das Klima und die vielen Sehenswürdigkeiten von Tempeln über aktiven Vulkanen, Reisfeldern und Dschungel, spektakulären Unterwasserwelten, das (Wasser)Sportangebot und Erholung in Massage- und Spa-Einrichtungen machen Bali völlig zurecht zu einem empfehlenswerten Sehnsuchtsort.

Mehr Infos über Bali, mehr Fotos und Detail bekommen Sie natürlich in unserem Reisestudio.

Website des Singapore Tourism Board: http://www.visitsingapore.com/de_de/

(C) Fotos: Reisestudio Kirchhellen

An alle die es betrifft: Vielen Dank zur Freigabe und das zur Verfügungstellen einzelner Motive. Der Text erschien in gekürzter Form in der Novemberausgabe der „Lebensart“.